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Akteur*innen & Projekte/Forschungseinblicke

Buch über die Erinnerungskultur in der Colonia Dignidad im März erschienen

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Buch über die Erinnerungskultur in der Colonia Dignidad im März erschienen

Im März 2022 ist das Buch

“Die Colonia Dignidad zwischen Erinnern und Vergessen

Zur Erinnerungskultur in der ehemaligen Siedlungsgemeinschaft”

von Meike Dreckmann-Nielen im Transcript-Verlag erschienen.

Aus dem Klappentext:

Die Colonia Dignidad erlangte wegen zahlreicher bis heute unaufgeklärter Menschenrechtsverbrechen internationale Bekanntheit. Dass einstige Mitglieder der deutschen Gruppe das historische Siedlungsgelände in Chile unter dem Namen »Villa Baviera« (deutsch: bayerisches Dorf) schrittweise zu einem touristischen Freizeitort umfunktioniert haben, sorgt angesichts der mangelnden Aufarbeitung für anhaltende Kritik. Meike Dreckmann-Nielen untersucht, wie sich einstige Mitglieder der Gruppe heute an ihre eigene Vergangenheit erinnern. In ihrer Studie ermöglicht sie einen intimen Einblick in komplexe erinnerungskulturelle Dynamiken im Mikrokosmos der ehemaligen Siedlungsgemeinschaft.

 

 

Interview des Transcript-Verlags mit der Autorin:

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Die Zeit der Colonia Dignidad zählt zu den dunkelsten Kapiteln deutsch-chilenischer Geschichte. Da die Aufarbeitung der dort begangenen Verbrechen bis heute nur schleppend vorangeht, ist sie allerdings längst nicht nur ein historisches Kapitel, sondern für viele Opfer bittere Gegenwart. Dieses Buch möchte nun einen Beitrag zur Aufarbeitung leisten, indem es aufzeigt, wie die eigene Vergangenheit im Mikrokosmos der ehemaligen Colonia Dignidad heute verhandelt wird und welche Konsequenzen dies hat.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Das Buch blickt erstmals dezidiert mit einer erinnerungskulturellen Fragestellung auf die Colonia Dignidad. Es untersucht den Umgang der einstigen Mitglieder der Colonia Dignidad mit ihrer eigenen Vergangenheit an dem Ort der historischen Menschenrechtsverbrechen, dem heutigen Tourismusort ›Villa Baviera‹. Das Buch spürt gruppeninternen Narrativen und Geschichtsbildern nach, um schließlich Wirkmechanismen erinnerungskultureller Dynamiken aufzuzeigen.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Der Forschungsstand zum Thema Colonia Dignidad ist bisher sehr dünn. Eine ganze Monographie zum erinnerungskulturellen Erbe der Siedlungsgemeinschaft hat es bisher noch nicht gegeben. Das Buch knüpft damit vor allem an bisherige Grundlagenstudien zur Verbrechensgeschichte an und spannt einen Bogen in die Gegenwart, indem es die Bedeutung komplexer Aushandlungsprozesse von Vergangenem in der Gegenwart einer spezifischen Siedlungsgemeinschaft analysiert.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Ich wünsche mir noch einmal die Gelegenheit, persönlich mit den Betroffenen über meine Erkenntnisse aus der Forschungsarbeit zu sprechen. Leider kam die Pandemie dazwischen, sodass noch kein neues Treffen stattfinden konnte. Aktuell freue ich mich darauf, bei der Buchpräsentation im März 2022 mit Renate Künast und Elke Gryglewski über meine Ergebnisse zu diskutieren und ihre spezifischen Sichtweisen dazu zu hören.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Das Buch beleuchtet, wie die ehemaligen Mitglieder der Colonia Dignidad heute am historischen Ort der Siedlung mit der eigenen Geschichte umgehen.

 

Hinweis: Dieses Interview mit der Autorin Meike Dreckmann-Nielen ist zuerst auf der Webseite des Transcript-Verlages erschienen und darf mit freundlicher Erlaubnis auch hier zur Verfügung gestellt werden.

 

 

Forschungseinblicke/Veranstaltungen

Buchvorstellung zur Erinnerungskultur in der Colonia Dignidad (22.3.2022)

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Buchvorstellung zur Erinnerungskultur in der Colonia Dignidad (22.3.2022)

Foto von dem bisherigen Museum der Villa Baviera, Bildrechte: MDN

Veranstaltungshinweis:

Am 22.3.2022 wird am Arbeitsbereich “Didaktik der Geschichte” der Freien Universität Berlin das Buch

Die Colonia Dignidad zwischen Erinnern und Vergessen
Zur Erinnerungskultur in der ehemaligen Siedlungsgemeinschaft

von Meike Dreckmann-Nielen vorgestellt. Das Werk erscheint als OpenAccess-Version im März 2022 im Transcript-Verlag.

Aus dem Klappentext:
Die Colonia Dignidad erlangte wegen zahlreicher bis heute unaufgeklärter Menschenrechtsverbrechen internationale Bekanntheit. Dass einstige Mitglieder der deutschen Gruppe das historische Siedlungsgelände in Chile unter dem Namen »Villa Baviera« (deutsch: bayerisches Dorf) schrittweise zu einem touristischen Freizeitort umfunktioniert haben, sorgt angesichts der mangelnden Aufarbeitung für anhaltende Kritik. Meike Dreckmann-Nielen untersucht, wie sich einstige Mitglieder der Gruppe heute an ihre eigene Vergangenheit erinnern. In ihrer Studie ermöglicht sie einen intimen Einblick in komplexe erinnerungskulturelle Dynamiken im Mikrokosmos der ehemaligen Siedlungsgemeinschaft.

 

Flyer zur Buchvorstellung von Meike Dreckmann-Nielen

 

Zum Ablauf der Buchpräsentation:
19:00 – 19:05 Uhr Begrüßung durch Prof. Dr. Martin Lücke (Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität Berlin)
19:05 – 19:20 Uhr Vorstellung des Buches durch die Autorin Meike Dreckmann-Nielen
19:20 – 19:30 Uhr Buch-Kommentar von Renate Künast MdB
19:30 – 19:40 Uhr Buch-Kommentar von Dr. Elke Gryglewski
19:40 – 20:00 Uhr Fragen und Diskussion

Hinweis: Die Veranstaltung findet online über Webex statt und die Zugangsdaten werden nach einer Anmeldung per Mail an clemens.bertram@fu-berlin.de verschickt. Die Teilnahme ist auch ohne Webex-Konto möglich.

Zeitzeugenberichte

Bericht über das Leben in der Colonia Dignidad von Friedhelm Bensch

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Bericht über das Leben in der Colonia Dignidad von Friedhelm Bensch

Über den Bericht des Zeitzeugen Friedhelm Bensch

Friedhelm Bensch wurde 1953 in Deutschland geboren. Als er acht Jahre alt war, wanderte er mit 29 anderen Kindern und 8 Erwachsenen nach Chile aus. Seine eigene Mutter kam erst ein Jahr später nach. In seinem Bericht erzählt Friedhelm Bensch von dem Alltag in der Colonia Dignidad, von der Willkür Paul Schäfers und seinen Unterstützern, sowie den unsäglichen Prügelstrafen und einem Druck, dem er gegen Ende kaum standhalten konnte.

Seit 2007 lebt Friedhelm Bensch mit seiner Frau und seinem Sohn in Nordrhein-Westfalen. Dort beschloss er im Jahr 2012 seine Erinnerungen an das Leben in der Colonia Dignidad aufzuschreiben. Mit dem Wunsch, seine Erinnerungen frei zugänglich zu veröffentlichen, wandte er sich schließlich an Dieter Maier. Dieser schlug diesen Blog als Plattform vor. Der Bericht wird im Wortlaut veröffentlicht und er wurde lediglich geringfügig redigiert.

Die Erinnerungen an vergangene Zeiten sind immer höchst subjektiv und sollten nie alleinstehend als ausschließliche faktenbasierte Quelle gelesen werden. Bei dem Bericht von Friedhelm Bensch handelt sich demnach um ein Beitrag zur Auseinandersetzung mit der Geschichte der Colonia Dignidad. Eine Geschichte, die viele Menschen unterschiedlich erlebt haben.

 

Klicken Sie einfach auf dieses Bild, um zu dem PDF-Dokument zu gelangen:

 

(Hinweis: Der CDPHB versteht sich ausschließlich als Plattform; er macht sich den Bericht des Autors weder zu Eigen, noch übernimmt er Verantwortung für die geschilderten Erzählungen.)

 

Zeitzeugenberichte

Edeltraud Bohnau: “Mein Leben in der Sekte”

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Edeltraud Bohnau: “Mein Leben in der Sekte”

Bild aus dem chilenischen Nationalarchiv, Bildrecht: CDPHB

Über die Veröffentlichung des Zeitzeugenberichts auf diesem Blog

Edeltraud Bohnau hat die längste Zeit ihres Lebens in der Colonia Dignidad in Chile gelebt. In ihrem 80-seitigen Bericht über ihre Erfahrungen wird sie zur Zeitzeugin vieler Geschehnisse in der Colonia Dignidad. Leser*innen erhalten einen besonders authentischen Einblick in die Geschichte der Colonia Dignidad, weil Bohnaus Text redaktionell nahezu gar nicht bearbeitet wurde. Anhand zahlreicher Anekdoten aus dem Alltag in der Colonia Dignidad wird vor allem die patriarchale Herrschaft und die Ausübung dieser durch strukturelle physische und psychische Gewalt überdeutlich. Auch deshalb ist der Bericht eine wichtige Quelle für die Aufarbeitung der Geschichte der Colonia Dignidad und ihre Konsequenzen für den heutigen Alltag vieler betroffener Menschen.

Edeltraud Bohnau hat diesen Bericht in den Jahren 2018/2019 geschrieben und ihn mit der Bitte um Veröffentlichung der Journalistin Anette Ende übergeben. Auf der Suche nach einem geeigneten Format wandte sich diese Ende 2019 an Dieter Maier. Dieser kam wiederum auf mich zu mit dem Vorschlag, den Bericht auf diesem Blog frei zugänglich zu veröffentlichen.

In Absprache mit der Autorin Edeltraud Bohnau möchte der Colonia Dignidad Public History Forschungsblog (CDPHB) mit der Veröffentlichung dieses Berichts eine Betroffene zu Wort kommen lassen und interessierten Blog-Leser*innen einen Einblick in eine besondere Perspektive auf die Geschichte der Colonia Dignidad ermöglichen.

Menschen erinnern ihr Leben unterschiedlich und verleihen ihren Erzählungen auf verschiedene Art und Weise einen Sinn im historischen Bezugsrahmen. Edeltraud Bohnau schildert in ihrem Zeitzeugenbericht viele Erfahrungen, die sie sicherlich mit anderen Betroffenen des Gewaltsystems Colonia Dignidad teilt. Gleichermaßen ist ihr Bericht aber einzigartig; er kann und soll nicht stellvertretend für alle ehemaligen Mitglieder der Colonia Dignidad stehen. Leser*innen gewinnen einen Einblick in die Erfahrungen einer Frau, die –wie viele Opfer– bis heute unter den Folgen der massiven physischen und psychischen Gewalt leidet, die ihr in der Colonia Dignidad angetan wurde.

 

Zum Download des Berichts im pdf-Format hier entlang:

Edeltraud Bohnau, Mein Leben in der Sekte

Aus dem Vorwort von Dieter Maier, Dezember 2019

“Edeltraud Bohnau schrieb den folgende Bericht in den Jahren 2018/19. Er handelt von ihrem Leben in der deutschen Sektensiedlung Colonia Dignidad in Chile. Die Anrede “Ihr” an einer Stelle ist ein Hinweis, dass der Text an die früheren Colonia-Mitglieder gerichtet ist. Es ist der unverblümte Bericht einer Frau in einer von Männern dominierten Zwangsgemeinschaft. Andere Texte zum Thema “Frauen in der Colonia Dignidad” (z.B. Rittel/Karwelat, s.u.) sind durch vorbereitete Fragen und mehrfache Redaktionen der transkribierten Interviews entstanden. Sie sind authentisch, da die interviewten Frauen an der Redaktion beteiligt waren. Ich hatte Gelegenheit, die Entstehung der Erinnerungen von Efraín Vedder und Klaus Schnellenkamp zu verfolgen: In dem dann gedruckten Buch ist der tagtägliche Wahnsinn der Schäfer-Sekte, der sich in zahllosen sprachlichen Details äußert, nur noch in geläuterter Form enthalten. Das ging auch kaum anders, denn die Bücher wären sonst unverständlich geworden.

In der Villa Baviera (wie die Siedlung heute heißt) hat sich durch zahlreiche Interviews mit Wissenschaftler*innen, Journalist*nnen, Justizpersonal und Publizist*innen eine Erzähltradition herausgebildet, in der die eigenen Opferrolle betont und Andere nicht belastet werden. Edeltraud Bohnau und ihr Mann Willi Malessa haben die Siedlung verlassen, ehe sich diese interessengeleiteten Narrative herausbildeten. Bohnau rechnet ab, schont niemanden, spricht die Sprache der Sekte. Das gibt ihrem Bericht seinen besonderen Wert. Der Wahnsinn ist mit Händen zu greifen. Am Anfang und Ende spricht sie von der finanziellen Situation ihrer Familie. Das verwundert beim Lesen, ist aber die Realität der früheren Bewohner der utopischen Siedlung, in der es kein Geld gab. Sie bekommen keine Rente.

Wir geben den Bericht fast wörtlich wieder. Korrigiert sind nur Umlaute und das “ß”, die auf Bohnaus Spanisch-Tastatur nicht vorhanden sind, einige Schreibweisen von Namen, einige Rechtschreibungen und die Interpunktion. Der Brief von Paul Schäfer am Schluss ist unverändert. Alle Klammerbemerkungen: (“s. Anmerkungen”) sind hinzugefügt und finden sich am Ende des Textes. Sie betreffen Stellen, die für unkundige Leserinnen und Leser sonst unverständlich sind. Fehler, die für ehemalige Bewohner der Colonia Dignidad typisch sind, wurden nicht korrigiert, z.B. die Unklarheit betreffs der beiden Weltkriege; die Kinder in der Siedlung erhielten keine geregelte Schulbildung und waren als Erwachsene von Informationen abgeschnitten. Einige klärende Erläuterungen haben wir am Schluss des Textes hinzugefügt, darunter Angaben zu erwähnten Personen. Bohnaus Bericht trägt keinen Titel. Die Datei heißt ‘Mein Leben in der Sekte’. Das habe ich als Titel gewählt.”

 

Zum Download des Berichts im pdf-Format hier entlang:

Edeltraud Bohnau, Mein Leben in der Sekte

Hinweis: Der CDPHB versteht sich ausschließlich als Plattform; er macht sich den Bericht der Autorin weder zu Eigen, noch übernimmt er Verantwortung für die geschilderten Erzählungen durch die Autorin des Berichts.